Hans-Peter Kunisch über Rilke und den Faschismus

Hans-Peter Kunisch über Rilke und den Faschismus

Author: DOMRADIO.DE September 24, 2025 Duration: 20:36
Der Panther, das Karussell oder Herbsttag. Seine Gedichte sind uns allen geläufig. In diesem Jahr feiern wir den 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke. Doch wer war Rilke? Warum hat er für Mussolini und den Faschismus geschwärmt? Hans-Peter Kunisch erzählt uns in seinem Buch "Das Flimmern der Raubtierfelle" von den Irrwegen eines Dichters, die bislang unbekannt geblieben sind. In den Briefen, die Rilke insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg mit der jungen Mailänder Fürstin Aurelia Gallarati-Scotti wechselte, offenbart Rilke eine gern verdrängte Seite: Er zeigt offen Sympathien für den italienischen Faschismus und autoritäre Regime – Gallarati-Scotti widerspricht ihm mit humanistischer Klarheit, woraufhin sich Rilke nur noch tiefer verrennt.Hans-Peter Kunisch gelingt in seiner Biografie mit erzählerischen Mitteln eine brillante Analyse, die das Werk eines der bekanntesten deutschen Dichter und seine politischen Überzeugungen in einen neuen Kontext stellt. Im DOMRADIO.DE Interview erzählt Kunisch, was den Dichter bewogen haben könnte, für den Faschismus zu schwärmen. Rilke beklage den Verlust des Heiligen, so Kunisch, sein Gottesbild sei stark vom Alten Testament der Bibel geprägt.

In Autorengespräch treten wir in einen Raum, in dem Literatur mehr ist als nur erzählte Geschichten-sie wird zum lebendigen Ort für die großen Fragen. Hier geht es nicht um reine Buchbesprechungen, sondern um die unerwarteten Schnittstellen zwischen schriftstellerischer Arbeit, persönlichem Glauben und unserer gegenwärtigen Wirklichkeit. Wie formt die Suche nach Spiritualität die Sprache einer Autorin? Auf welche Weise verhandeln Romane und Gedichte unsere Ängste und Hoffnungen in einer komplexen Welt? Diesen Spuren folgt das Gespräch. Jede Folge dieses Podcasts ist eine Entdeckungsreise, die von der literarischen Textur ausgeht und in die Tiefen von Bedeutung und Überzeugung vordringt. Man hört Schriftstellerinnen und Denkern zu, wie sie offen und nachdenklich über die Kraft des Erzählens reflektieren, das oft selbst eine spirituelle oder weltanschauliche Praxis ist. Die Themen bewegen sich zwischen Bildung, Kunst und den unsichtbaren Strukturen, die unser Dasein deuten. Wer diesen Podcast regelmäßig hört, taft ein in eine besondere Form des Dialogs: unverstellt, neugierig und immer darauf aus, das Unglaubliche im Alltäglichen der modernen Literatur sichtbar zu machen. Es ist der intime Moment, in dem die Autorin über das Werk hinausspricht und verrät, welche Wahrheiten und Zweifel zwischen den Zeilen stehen.
Author: Language: German Episodes: 100

Autorengespräch
Podcast Episodes
Bernd Brunner über sein Buch: Unterwegs ins Morgenland [not-audio_url] [/not-audio_url]

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'Die Berichte von Pilgern, Naturforschern, Missionaren, Abenteurern und furchtlosen Grenzgängern zeigen ein buntes und kaum bekanntes Kapitel der Begegnung des Westens mit dem Orient, vor dem britischen Mandat über Paläs…
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Zwölf Jahre lang hat er pausiert. Der Autor Gerbrand Bakker, dessen Romane in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden sind, hatte keine Lust mehr Romane zu schreiben. Zu unecht, zu prätentiös fand er diese literarische For…
Felicitas Hoppe über Reisen ins Paradies [not-audio_url] [/not-audio_url]

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Auf 240 historischen und zeitgenössischen Reiseplakaten führt die Ausstellung FERNE LÄNDER, FERNE ZEITEN im Folkwang Museum Essen durch Sehnsuchtsländer vergangener Jahrzehnte. Felicitas Hoppe hat dazu literarische Minia…
Katrin Schumacher über 'Liste der gebliebenen Dinge' [not-audio_url] [/not-audio_url]

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'Ich will es festhalten, das Leben, weißt du, ich will einfach nicht zugestehen, dass etwas ein Ende hat, dass etwas sterben kann, weggehen, verschwinden. Ich glaube nicht an den Tod. Ich will ihn nicht und ich weiß, das…
Martin Schäuble über die Geschichte der Israelis und Palästinenser [not-audio_url] [/not-audio_url]

Duration: 22:13
Keine Generation von Israelis oder Palästinensern erlebte im 20. und 21. Jahrhundert eine Zeit ohne militärische Auseinandersetzung. Beide Seiten sind von Kriegen und Anschlägen traumatisiert. Der Konflikt scheint gerade…
Dana von Suffrin über ihren Roman 'Nochmal von vorne' [not-audio_url] [/not-audio_url]

Duration: 17:48
"Während Rosas deutsche Mutter Zeit ihres Lebens eine regelrechte Obsession für den Holocaust entwickelt hatte, schienen die Traumata des in Israel geborenen jüdischen Vaters stärker im Jom-Kippur-Krieg zu wurzeln als im…
Mirrianne Mahn über ihren Debutroman 'Issa' [not-audio_url] [/not-audio_url]

Duration: 15:05
‚Mein Gefühl der Verlorenheit, gefangen zwischen zu Schwarz in Deutschland und zu deutsch in Kamerun‘. So fühlt sich Issa in dem Debutroman von Mirrianne Mahn. Die Autorin erzählt die Geschichte einer jungen Frau aus Deu…
Stefanie de Velasco über ihren Roman 'Das Gras auf unserer Seite' [not-audio_url] [/not-audio_url]

Duration: 20:40
„Sie hatte Pläne und Ideen“, das sagt Grit in dem Roman 'Das Gras auf unserer Seite' über Alice, die gerade ihr drittes Kind bekommen hat. „Sie hatte Pläne und Ideen“, und dann heißt es weiter, „was ist mit denen, sagt m…
Ein Buch, das Ihnen den Glauben an die Menschheit zurückgibt [not-audio_url] [/not-audio_url]

Duration: 23:22
'Der Mensch hat über Jahrtausende hinweg ein falsches Menschenbild kultiviert, den Menschen als Egoisten, Bestie oder Schlimmeres'. Die Herausgeber des Buches 'Alles Gute!' Thomas Böhm und Peter Graf zitieren in ihrem Vo…
Hartmut Rosa spricht über sein Buch 'Demokratie braucht Religion' [not-audio_url] [/not-audio_url]

Duration: 20:47
Brauchen wir die Kirche überhaupt noch? Diese Frage muss man stellen, denn die Kirche verliert rasant an Bedeutung – und das nicht nur, weil der Glaube in der säkularen Welt zunehmend verdunstet, sondern auch weil die Ki…