Viel vom Tod zu wissen, heißt, viel vom Leben zu wissen

Viel vom Tod zu wissen, heißt, viel vom Leben zu wissen

Author: DOMRADIO.DE October 15, 2024 Duration: 21:06
"Es geht um eine Rückverzauberung der Welt - in die Welt und das Staunen eines Kindes", sagt Arno Geiger im DOMRADIO.DE Interview über seinen Roman "Reise nach Laredo". Geiger schickt den alten, gebrechlichen Kaiser Karl V. auf seine letzte Reise. Er hat abgedankt, er hat alle Kronen abgelegt und sich 1557 in ein Kloster in Spanien zurückgezogen. Das ist der historisch Hintergrund des Romans. Geiger schickt seinen Karl vom Kloster aus hinaus in die Welt. "Der Mensch gehört hinaus in die Welt", sagt Geiger, "in der Begegnung mit der Welt begegnen wir uns selbst. Darum mache ich Karl die Tür nach draußen auf und draußen wird er so gesehen, wie er ist, einfach nur als Mensch ohne Titel und Namen. Denn Besitz und Titel verbergen uns auch. Wir können dahinter in Deckung gehen". Karl erfährt viel von der Welt, er erlebt sogar einen Moment des Glücks, er darf den Tanz und Taumel auskosten, bevor er stirbt. "Der Tod könnte schön sein, wenn man gelebt hat", sagt Geiger, "und in diesem Konjunktiv steckt ein doppelter Boden, aber auch eine stille Aufforderung".

In Autorengespräch treten wir in einen Raum, in dem Literatur mehr ist als nur erzählte Geschichten-sie wird zum lebendigen Ort für die großen Fragen. Hier geht es nicht um reine Buchbesprechungen, sondern um die unerwarteten Schnittstellen zwischen schriftstellerischer Arbeit, persönlichem Glauben und unserer gegenwärtigen Wirklichkeit. Wie formt die Suche nach Spiritualität die Sprache einer Autorin? Auf welche Weise verhandeln Romane und Gedichte unsere Ängste und Hoffnungen in einer komplexen Welt? Diesen Spuren folgt das Gespräch. Jede Folge dieses Podcasts ist eine Entdeckungsreise, die von der literarischen Textur ausgeht und in die Tiefen von Bedeutung und Überzeugung vordringt. Man hört Schriftstellerinnen und Denkern zu, wie sie offen und nachdenklich über die Kraft des Erzählens reflektieren, das oft selbst eine spirituelle oder weltanschauliche Praxis ist. Die Themen bewegen sich zwischen Bildung, Kunst und den unsichtbaren Strukturen, die unser Dasein deuten. Wer diesen Podcast regelmäßig hört, taft ein in eine besondere Form des Dialogs: unverstellt, neugierig und immer darauf aus, das Unglaubliche im Alltäglichen der modernen Literatur sichtbar zu machen. Es ist der intime Moment, in dem die Autorin über das Werk hinausspricht und verrät, welche Wahrheiten und Zweifel zwischen den Zeilen stehen.
Author: Language: German Episodes: 100

Autorengespräch
Podcast Episodes
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Der moralische Universalismus ist keine Erfindung des jüdisch-christlichen Abendlandes. Es gab ihn schon weit vor Christi Geburt. In seinem Buch "Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos" erforscht der Soziolo…
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"Nordrheinwestfalen. Aufbruch ins Wirtschaftswunder" heißt ein Bildband, der bisher unveröffentlichte Fotos aus NRW zeigt. Die Bilder stammen von Dr. Paul Wolff und Alfred Tritschler - zwei der bedeutendsten deutschen Fo…